Was geht in der Stadt?
Wer weiß in der Stadt, was geht? Für die Zielgruppenperspektive am besten direkt die Jugendlichen selbst fragen: Wo informiert ihr euch? Was sind für euch verlässliche Quellen für gute Angebote? Was fehlt euch in eurem Viertel? Was würdet ihr gern einmal ausprobieren? Wie weit bewegt ihr euch in der Stadt, wenn zum Beispiel das Nordbad angesagt ist oder eine Party steigt?
Und wie komme ich an junge Menschen heran beziehungsweise wie kann ich die Vision über Schlüsselfiguren vermitteln? Mit welchen Erwachsenen seid ihr im Gespräch? Wo fühlt ihr euch gesehen?
Einen Überblick über Stadtteile, Viertel und Quartiere hat das Quartiersmanagement. Auch den Draht zu ansässigen Treffs, Initiativen und Vereinen. Streetwork ist aufsuchend tätig, nahbar und nicht nur in der Stadt, sondern auch in Schulen unterwegs. Der Kinder- und Jugendrat wiederum ist mit dem Stadtschüler:innenrat verbunden und erreicht die Schulen. Über die Schulsozialarbeit können vor allem auch gezielt Jugendliche erreicht werden, die es schwerer haben.
Über den Stadtjugendring werden wiederum 20 Träger in einem starken, gut informierten Netzwerk vereint, die in all diese Bereiche wie Freizeit, Schule, Berufseinstieg und Wohnen hineinreichen. Das persönliche Netzwerk, bei jeder möglichen Gelegenheit wachgerufen und auch über drei Ecken gedacht, trägt sein Übriges in die Quartiere hinein. Aber es braucht etwas auf die Hand und fürs Auge.
Es ist außerdem sehr spannend zu hören, welche Verbindungen zum ehemaligen Kindertheater oder zur Nachbarschaft wiederum jene Erwachsenen haben, die beim Testballon Workshops und andere Angebote durchführen. Auch diese Netzwerke haben für sich genommen großes Potenzial.
Mit jeder neuen Person wächst der Resonanzraum und damit die Möglichkeit, in neue Beziehungen zu treten, Banden zu bilden und zu stärken. Fragen lohnt sich: Es schlummert immer eine Anekdote, die neue Hinweise gibt und in Erinnerung ruft, wer sich dem Ort verbunden fühlt und zum Unterstützerkreis dazugehören kann.
Und bei all dem Wirken braucht es immer wieder die Erinnerung daran, in welchen Räumen ich mich selbst aufhalte, in welchen Blasen ich mich bewege und welche Menschen mich umgeben. Nicht erst seit dem Projekt, sondern schon davor.
Es braucht immer wieder die Erinnerung daran, wie tief Diskriminierung in unserer Gesellschaft sitzt. Wie schwer es viele Menschen haben, auf Angebote einzugehen, egal, wie niedrigschwellig sie sind. Weil das Misstrauen besteht, nicht ernst genommen zu werden, Erwartungen und Hoffnungen enttäuscht zu sehen und keinen wirklichen Schutzraum vor Diskriminierung vorzufinden.
Auch wir werden uns am Ende fragen: Wie viel war gut gemeint, aber schlecht gemacht? Wo sind wir in Repräsentationsfallen getappt? Aus Schnelligkeit, aus fehlender Sensibilität?
Ernsthaft. Ich hoffe, wir haben die meisten Fehler vorgestern gemacht. Denn bei einer solch woken Generation macht es vor allem richtig Spaß zu denken: Wie würden sie das machen?
Der Blick auf die Zielgruppe lässt mich alt fühlen. Da hilft es auch nicht, wieder häufiger im Sandkasten zu sitzen. Obwohl: Ich will jetzt häufiger mit jungen Eltern auf dem Spielplatz sprechen. Denn diese Gruppe wird ebenfalls sehr gern übersehen.
mg, 30.04.2026
Einblicke in das Theater